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Erdarbeiten Preise

Ob Fertighaus oder Massivhaus, das Anrollen der Bagger verkündet den Start der Bauarbeiten. Und damit einhergehend auch diverse Arbeiten am Erdreich wie das Abtragen vom Oberboden, das Ausheben der Baugrube, dem Erstellen von Fundament und Bodenplatte und vielem mehr. Mit der Freude über den Beginn vom Hausbau gehen nun jedoch auch die Kosten der Erdarbeiten einher.

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Erdarbeiten Preise beim Hausbau: Was Bauherren wissen sollten

Bei den Erdarbeiten handelt es sich um den ersten Schritt auf dem Weg zum Eigenheim. Doch es gibt einen Punkt, dessen sich Häuslebauer bewusst sein sollten: Diese Arbeiten müssen in der Bauleistungsbeschreibung vom Haushersteller nicht zwingend enthalten sein. Aber dann muss der Kellerbauer oder der Bodenplatten-Hersteller Erdreich-Arbeiten mit offerieren, oder? Auch diese Unternehmen müssen Erdarbeiten nicht anbieten.

So manche Kellerbauer und auch Fertighaushersteller führen den Leistungspunkt Erdarbeiten im Vertrag auf. Doch dies ist keinesfalls die Regel. Schließlich zählen die Erdarbeiten beim Hausbau zu den Baunebenkosten.

Bodenbeschaffenheit und ihre Auswirkungen auf die Kosten von Erdarbeiten

Die Beschaffenheit des Erdreichs ist sowohl für die Dauer als auch für die Kosten ein essenzielles Kriterium. Die Beschaffenheit des Bodens wird durch ein Bodengutachten ermittelt und in einer von sieben Klassen festgelegt.

  • Bodenklasse 7 beschreibt einen felsigen, schwer lösbaren Boden, welcher ausschließlich mittels Spreng- oder Bohrarbeiten abgetragen werden kann

  • Bodenklasse 6 beinhaltet Boden mit zerklüftetem, leicht brüchigem Gestein oder leicht lösbarem Fels

  • Bodenklasse 5 umfasst nur schwierig lösbare Bodenarten, welche über einen hohen Steinanteil verfügen

  • Bodenklasse 4 sind alle Bodenarten, welche mittelschwer lösbar sind

  • Bodenklasse 3 beschreibt alle leicht lösbaren Böden wie beispielsweise Sand oder auch Kies

  • Bodenklasse 2 beschreibt Boden, welcher aufgrund seines sehr hohen Wassergehalts abgeschöpft werden kann

  • Bodenklasse 1 ist der Ober- bzw. Mutterboden

Je niedriger die Bodenklasse, desto günstiger die Kosten für Erdarbeiten beim Hausbau.

Kosten für Wiedereinfüllen des Bodens und Verdichtung

Hier spielt vor allem die Art des Materials eine große Rolle, wenn es um diesen Teil der Kosten für die Erdarbeiten geht. Und auch die regionale Verfügbarkeit des Materials hat Einfluss darauf.

In der Regel kann hier pro Tonne mit rund 20,- oder auch 30,- Euro gerechnet werden.

Entsorgung des Aushubs: Welche Kosten können anfallen?

Die Entsorgung des ausgehobenen Erdmaterials bringt natürlich auch Kosten mit sich. Diese belaufen sich, abhängig von der Beschaffenheit der Erde auf ca. 15,- bis 40,- Euro je Kubikmeter.

Warum die große Spanne beim Entsorgungspreis? Ist der Boden-Aushub sauber, sind die Entsorgungskosten natürlich günstiger. Kontaminiertes Erdreich hingegen bedarf einer speziellen Deponierung und ist somit auch mit höheren Kosten verbunden.

Nicht außer Acht gelassen werden dürfen zudem die Transportkosten. Je weiter die Deponie entfernt ist, desto länger der Transportweg und desto höher die Kosten.

Preisbeispiele für die wichtigsten Erdarbeiten beim Hausbau

Gleich vorweg, die hier angegebenen Preise dienen ausschließlich dem Vergleich und können sich durchaus von den Angeboten unterscheiden. Schließlich beeinflussen zahlreiche Faktoren den endgültigen Preis.

Damit ein realistischer Gesamtpreis kalkuliert werden kann, muss der Bauherr die Mengen seines Bauvorhabens kennen. Hier gilt es also, für jede notwendige Leistung die tatsächliche Menge zu ermitteln. Diese Mengenermittlung ist ohnehin auch für das individuelle Leistungsverzeichnis notwendig, um eine Bauausschreibung mit qualifizierter Preisanfrage zu erstellen.

Im Schnitt schlagen beispielsweise folgende Erdarbeiten mit folgenden Kosten pro Kubikmeter zu Buche:

  • abtragen des Mutterbodens: 3,- Euro pro Kubikmeter

  • Aushub der Baugrube: 9,- Euro pro Kubikmeter

  • Aushub des Fundaments: 13,- Euro pro Kubikmeter

  • Erdaushub für Schächte und Gräben: 25,- Euro pro Kubikmeter

  • Abtransport von Aushubmaterial: 7,50 Euro pro Kubikmeter

  • Feinplanum: 3,50 Euro pro Kubikmeter

Achtung Mehrkosten!

Zahlreiche Ursachen können zu ungeplanten Mehrkosten führen. So zum Beispiel

  • rasche Pauschalverträge

  • unvorhergesehenes und böse Überraschungen

Pauschalverträge sorgen für Kostenersparnis, so die allgemeine Meinung. Und dies ist meistens auch korrekt. Doch geht es um Erdarbeiten für den Hausbau, kann auch das Gegenteil der Fall sein.

Oftmals bieten Tiefbauer Pauschalverträge für Teilleistungen oder auch Tagespauschalen an. Detaillierte Preise für alle etwaigen Erdarbeiten werden dabei nicht vereinbart. Zu Beginn des Bauvorhabens ist dieses Vorgehen sogar durchaus vorteilhaft für beide Seiten. Die Bauherren zahlen eine festgelegte Pauschalsumme für die vereinbarten Arbeiten am Erdreich und profitieren von einem raschen Beginn der Erdarbeiten. Denn die Tiefbauer können größtenteils innerhalb kurzer Zeit beginnen. Das Unternehmen hingegen profitiert von gutem Geld in kurzer Zeit, denn für die Mengenermittlung muss so gut wie kein Aufwand betrieben werden.

Doch so gut diese Vorteile für beide Seiten auch klingen, es gibt auch Nachteile. Kurzfristig geschlossene Pauschalverträge berücksichtigen nicht, dass der Umfang der Erdarbeiten sich auf mehrere Etappen erstreckt. Da keine detaillierten Preisvereinbarungen vorliegen, erfolgt die Abrechnung der einzelnen Arbeitseinsätze somit nach dem tatsächlichen Zeitaufwand und dies zumeist nach Stundensatz. Und dieser liegt bei kurzfristig geschlossenen Pauschalverträgen meist über den Stundensätzen, welche bei einer Bauausschreibung von Erdbau- bzw. Tiefbau-Unternehmen angeboten werden.

Ebenfalls zu Mehrkosten führen können Unvorhergesehenes und böse Überraschungen. Denn trotz umfangreichem Erdbodengutachten kann in seltenen Fällen bei den Baggerarbeiten durchaus noch das ein oder andere zum Vorschein kommen. Sei es gefrorener Boden, Felsblöcke oder auch vergrabenes wie beispielsweise Fässer mit zu diesem Zeitpunkt noch unbekanntem Inhalt.

In der Regel gehen Erdbauunternehmer von einer Bodenbeschaffenheit mit den Bodenklassen 3, 4 oder 5 aus. Sollte das Erdgutachten eine andere Bodenklasse ergeben, sollten Bauherren das Erd- bzw. Tiefbau-Unternehmen dennoch darauf hinweisen. Auch wenn das Ergebnis des Gutachtens der Firma bekannt ist. Besser einmal zu viel gesagt, als später überraschende Mehrkosten.

Bodengutachten: Was es kostet

Beim Hausbau ist das Bodengutachten laut Bauordnungsrecht Pflicht. Und dies bereits seit 2008. Bauherren sollten dieses wichtige Gutachten unbedingt noch vor dem Kauf des Grundstücks durchführen lassen. Denn alle Risiken, welche vom Grundstück selbst und auch dessen Bebauung ausgehen, trägt stets vollumfänglich der Eigentümer. Hat der Bauherr das Grundstück bereits gekauft und lässt erst dann das Gutachten erstellen, können durchaus hohe Kosten auf ihn zukommen. Sei es durch kontaminierten Boden oder auch eine geringere Tragfähigkeit als angenommen.

Der Blick auf Nachbargrundstücke und etwaige für diese vorliegende Bodengutachten hilft hier wenig, denn die Böden der verschiedenen Grundstücke können sich durchaus unterscheiden. Hier gilt es, aufmerksam zu sein. Stehen die Straßenlaternen gerade? Sacken die Gehwege ab? Gibt es aufgeschüttetes Gelände? All dies kann auf einen Boden mit geringer Tragfähigkeit und damit einhergehend auf höhere Kosten für die Erdarbeiten hinweisen.

Es ist somit äußerst wichtig, ein Bodengutachten erstellen zu lassen. Denn dabei wird die Bodenbeschaffenheit des Grundstücks auf zahlreiche Aspekte hin untersucht.

Die Kosten für das Gutachten hat der Bauherr zu tragen. Die Höhe der Kosten ist dabei von unterschiedlichen Faktoren abhängig. So zum Beispiel von der Grundstücks-Größe, dem Baugebiet und dem Analyse-Aufwand. Auch die Frage, ob bei der Errichtung des Eigenheims ein Keller gebaut werden soll oder nicht, beeinflusst die Gutachten-Kosten. In der Regel muss für ein Bodengutachten mit Kosten in Höhe von bis zu 2.500,- Euro gerechnet werden.

Der Inhalt des Bodengutachtens umfasst dabei folgende Punkte:

  • Ort des Baus bzw. der Baugrube

  • das geplante Bauwerk

  • den Auftraggeber

  • die Vorgaben sowie die Ausführung des Erdbaus

  • die Bodenart

  • den Boden-Kennwert

  • den Boden-Aufbau

  • die mechanischen Boden-Eigenschaften wie Setzungsverhalten oder auch Tragfähigkeit

  • die Frostsicherheit

  • Informationen über etwaige Altlasten und Kontaminationen

  • Informationen zum Grundwasser

  • Standsicherheit von Zäunen und anderem

  • Versickerungsfähigkeit von Regen und anderem Oberflächenwasser

Kosten für Bodenplatte in Verbindung mit den Erdarbeiten

Ergibt das Gutachten, dass die oberen Schichten des Bodens über keine ausreichende Tragfähigkeit verfügen, erhöhen sich die Kosten für die Erdarbeiten. Denn vor der Errichtung der Bodenplatte ist ein Bodenaustausch erforderlich.

Dabei wird das Erdreich bis zu einer Tiefe von zwei Metern abgetragen und anschließend entsorgt. Es folgt das schichtweise Einbringen und Verdichten von tragfähigem Bodenmaterial. An sich kann beim Bodentausch durchaus gesagt werden, dass die Fundamentgrube doppelt ausgehoben wird. Was auch die rund doppelt so hohen Kosten im Vergleich zu normalen Erdbauarbeiten erklärt.

Auf den Bodenaustausch folgend diverse Lastdruckversuche, um die Tragfähigkeit des neuen Bodens in der Baugrube zu bestimmen. Auch dies bringt natürlich Zusatzkosten mit sich, ist jedoch zwingend erforderlich.

Eine Bodenplatte kann bei notwendigem Bodenaustausch durchaus um die 15.000,- Euro kosten. Was die Überlegung nahelegt, ob ein Kellerbau bei minderer Bodentragfähigkeit nicht doch die lohnenswertere Entscheidung wäre.

Kosten sparen durch Erdarbeiten in Eigenregie?

Durch Eigenleistung bei den Kosten der Erdarbeiten sparen? In der Theorie durchaus möglich, aber in der Praxis mitunter nicht die beste Idee. Nicht nur, weil der Umfang der Erdarbeiten nur durch den Einsatz eines Baggers oder zumindest eines Minibaggers zügig und reibungslos geschafft werden kann. Sondern auch, weil es definitiv Tiefbau-Erfahrung bedarf.

Denn auch bei den Erdarbeiten müssen Qualitätskriterien eingehalten werden. Schließlich muss der Untergrund des Hauses bestimmten Herausforderungen und Belastungen standhalten. Die genauen Qualitätskriterien werden durch den Bodengutachter festgelegt und müssen eingehalten werden.

Hinzu kommt, dass auch bei der Ausführung der Erdarbeiten unbedingt Expertise vorhanden sein muss. Denn Fehler oder Nachlässigkeiten können sehr teuer werden. Und auch die Gewährleistung kann bei Erdarbeiten in Eigenregie gefährdet werden.

Es gibt dennoch Spar-Potenzial

Auch wenn bei den Arbeiten am Erdreich nicht durch Eigenleistung gespart werden kann, gibt es dennoch Spar-Potenzial auf der Baustelle. Dieses findet sich im Bezug auf den Erd-Abtransport. Hier kann gespart werden, wenn das ausgehobene Erdreich nicht zu einer Deponie gebracht wird, sondern zum Verfüllen verwendet wird. Und bis zur Verwendung schlichtweg auf dem Grundstück gelagert wird. Wird nicht alles benötigt, so kann bei anderen Baustellen oder wenn es um Mutterboden geht auch bei Gärtnereien angefragt werden. Diese nehmen den Boden oftmals sehr gerne an und geben bei Mutterboden auch einige Euro.

Erdarbeiten Preise – Fazit

Für Bauherren ist es äußerst wichtig, für die Erdarbeiten ausreichend finanzielle Mittel einzuplanen. Denn schnell können die zu Beginn veranschlagten Kosten in die Höhe schießen. Zum Beispiel dann, wenn die Tragfähigkeit des Grundstück-Bodens geringer ist als gedacht, ein Bodenaustausch nötig wird oder weitere Maßnahmen aufgrund der festgestellten Bodenklasse notwendig sind.

Denn allein mit dem Erhalt der Baugenehmigung und dem Aushub der Baugrube ist es bei weitem nicht getan, wenn ein Einfamilienhaus gebaut werden soll. Es bedarf vielmehr einer gründlichen Vorbereitung im Vorfeld und einem professionellen Erdbauer bzw. Tiefbauer für die Durchführung der Erdarbeiten.

Die Erdbau-Kosten werden dabei von zahlreichen Einflussfaktoren bestimmt. In der Regel muss der Bauherr für die Erdarbeiten beim Hausbau mit bis zu 30.000,- Euro rechnen.

Tobias Beuler

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